









"Ich frage meinen Vater nach seinem Italientattoo. Er sagt, er hat keins. Dabei war ich mir so sicher. Ich wollte es fotografieren.
Jetzt mache ich ein Foto von anderen Tattoos. Eine Hand, die den Mittelfinger zeigt. Auch ok.
Ich sitze am Computer und google. Ich schaue, ob jemand dort die gleichen Augen hat wie ich, die gleichen Ohren. Je länger ich suche, desto mehr Ähnlichkeiten entdecke ich. Manchmal traue ich mich, jemandem zu schreiben. Oft kommt keine Antwort. Wahrscheinlich landen die Nachrichten im Spamordner und verstauben dort. Lange dachte ich, die Geschichte meines Vaters gehört nur ihm. Aber je älter ich werde, desto mehr merke ich: Es ist auch meine Geschichte.
Mein Vater ist der Sohn eines Gastarbeiters aus Corigliano. Es gibt eine Fotografie, zwei Briefe, einige Geschichten — und viele Fragen."

